Karpfenangeln mit Haarmontage

Passende Ausrüstung

Warum die Haarmontage alles verändert hat

Bei der Haarmontage wird der Köder – Boilie, Pellet oder Partikel – nicht auf den Haken gezogen, sondern an einem feinen Haar befestigt, das vom Haken absteht. Die Hakenspitze bleibt frei: Saugt der Karpfen den Köder ein und versucht ihn wieder auszustoßen, greift der Haken in der Unterlippe. Zusammen mit einem ausreichend schweren Blei entsteht eine Selbsthakmontage. Außerdem lassen sich so harte Köder anbieten, die man nicht direkt aufziehen könnte.

Das Gerät

Zwei oder mehr Karpfenruten, soweit die Regeln es erlauben, Freilaufrollen, kräftige monofile oder geflochtene Schnur, geflochtene oder ummantelte Vorfächer, Karpfenhaken, Blei an einem Sicherheitssystem, Bissanzeiger und ein Rod-Pod. Für den Fisch: ein großer Kescher, eine gepolsterte Abhakmatte und eine Stirnlampe mit Rotlicht für die Nacht.

Haken und Sicherheit

Rapp und Kollegen (2008) zeigten, wie wichtig die Hakengröße beim gezielten Angeln auf große Karpfen ist: Ein Haken, der zu Fisch und Köder passt, hakt besser und verletzt weniger. Das Blei muss sich bei Schnurbruch lösen können, damit ein Karpfen nie an einem Blei oder Hindernis festhängt.

Füttern ohne Übermaß

Boilies, Pellets und Partikel sollten von guter Qualität sein, Partikel immer ausreichend eingeweicht und gekocht. Arlinghaus und Niesar (2005) maßen die Verdaulichkeit von Karpfenködern und diskutierten die Eutrophierung: Ein Teil dessen, was ins Wasser geworfen wird, düngt am Ende das Gewässer. Mehr Futter ist nicht besseres Futter.

Regeln, die man kennen muss

In Deutschland regeln die Bundesländer und die Gewässerordnungen, ob und wo nachts geangelt werden darf, wie viele Ruten erlaubt sind und ob Futterboote oder Boote zugelassen sind. In Österreich und der Schweiz gilt Entsprechendes auf Landes- bzw. Kantonsebene. Beachten Sie außerdem, dass das Zurücksetzen maßiger Fische in Deutschland je nach Bundesland rechtlich eingeschränkt sein kann. Prüfen Sie die Regeln Ihres Gewässers.

Große Karpfen behandeln

Legen Sie den Karpfen auf eine nasse Matte, nie auf den blanken Boden, haken Sie zügig ab, halten Sie ihn feucht und beschränken Sie das Foto auf wenige Sekunden, den Fisch tief über der Matte haltend. Ein sorgfältiger Umgang ist das Herz dieser Fischerei. Arlinghaus (2007) zeigte zudem, dass freiwilliges Zurücksetzen Spannungen zwischen Karpfenanglern und anderen Nutzern auslösen kann; Transparenz und das Einhalten der örtlichen Regeln helfen dabei.

Die Ausrüstung im Einzelnen

  • Karpfenruten passend zur Wurfweite
  • Freilaufrollen
  • Starke Mono- oder Geflechtschnur, Schlagschnur
  • Geflochtenes oder ummanteltes Vorfach, Anti-Tangle-Schlauch
  • Karpfenhaken passend zur Fischgröße
  • Blei an Sicherheitsclip, der sich bei Bruch löst
  • Boilies, Pellets, gut vorbereitete Partikel
  • Bissanzeiger
  • Rod-Pod oder Banksticks
  • Großer, tiefer Kescher
  • Gepolsterte Abhakmatte
  • Stirnlampe mit Rotlicht

Schritt für Schritt

  1. Plätze finden: loten, Markerpose, Fische beobachten.
  2. Köder am Haar befestigen, Hakenspitze bleibt frei.
  3. Selbsthakmontage mit Sicherheitsblei.
  4. Genau werfen und maßvoll füttern.
  5. Freilauf und Bissanzeiger einstellen.
  6. Beim Run anschlagen und gleichmäßig drillen.
  7. Keschern, auf nasse Matte legen, abhaken, kurzes Foto, zurücksetzen.

Häufige Fehler

  • Zu viel füttern.
  • Unsichere Montagen.
  • Unpassende Hakengröße.
  • Karpfen ohne Matte ablegen.
  • Lange Fotosessions an Land.
  • Ruten unbeaufsichtigt lassen.

Vor dem Angeln zu prüfende Regeln

  • Nachtangeln nur wo erlaubt.
  • Zulässige Rutenzahl.
  • Futterboote und Boote: je nach Gewässer.
  • Verbotene Köder und Futtermengen.
  • Pflicht zu Abhakmatte oder Mindestkeschergröße.

Angelvorschriften nach Land

Zitierte Studien

  1. Rapp et al. (2008) Exploitation of specialised fisheries resources: The importance of hook size in recreational angling for large common carp (Cyprinus carpio L.) Fisheries Research doi:10.1016/j.fishres.2008.06.019
    Zeigt die Bedeutung der Hakengröße beim Angeln auf große Karpfen.
  2. Arlinghaus & Niesar (2005) Nutrient digestibility of angling baits for carp, Cyprinus carpio, with implications for groundbait formulation and eutrophication control Fisheries Management and Ecology doi:10.1111/j.1365-2400.2004.00425.x
    Misst die Verdaulichkeit von Karpfenködern und die Folgen für Futter und Eutrophierung.
  3. Arlinghaus (2007) Voluntary catch‐and‐release can generate conflict within the recreational angling community: a qualitative case study of specialised carp, Cyprinus carpio, angling in Germany Fisheries Management and Ecology doi:10.1111/j.1365-2400.2007.00537.x
    Qualitative Studie: Freiwilliges Zurücksetzen kann Konflikte zwischen Karpfenspezialisten und anderen Anglern auslösen.